Die Deutsche Blindenfußball-Nationalmannschaft hat bei der Europameisterschaft 2022 in Pescara den vierten Platz belegt und sich für die Weltmeisterschaft 2023 qualifiziert. Nach einer starken Gruppenphase fehlten im dramatischen Halbfinale gegen Frankreich nur 61 Sekunden zum Einzug ins Endspiel.
Auftakt nach Maß gegen Rumänien
Deutschland startete mit einem deutlichen 6:0-Sieg gegen Rumänien in das Turnier. Rasmus Narjes eröffnete den Torreigen, Taime Kuttig traf zweimal und Jonathan Tönsing erzielte drei Tore. Damit gelang der Mannschaft von Cheftrainer Martin Mania ein überzeugender Start in die Europameisterschaft.
Im zweiten Gruppenspiel wartete Titelverteidiger Spanien. Deutschland knüpfte an die drei starken Testspiele vom März an und gewann mit 2:0. Jonathan Tönsing brachte die deutsche Mannschaft früh in Führung, Taime Kuttig sorgte nach dem Seitenwechsel für die Entscheidung.
Halbfinaleinzug und WM-Ticket
Gegen England kassierte Deutschland mit dem 0:1 die erste Niederlage des Turniers. Im abschließenden Gruppenspiel gegen Polen ließ sich die Mannschaft davon jedoch nicht aus der Bahn werfen.
Deutschland gewann deutlich mit 4:1. Jonathan Tönsing erzielte drei Treffer und war auch am vierten Tor beteiligt, das als polnisches Eigentor gewertet wurde. Mit diesem Sieg zog die deutsche Auswahl zum zweiten Mal nach 2013 in ein EM-Halbfinale ein. Gleichzeitig stand die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2023 in Birmingham fest.
61 Sekunden fehlen zum Finale
Das Halbfinale gegen Frankreich entwickelte sich zu einem der dramatischsten Spiele in der Geschichte der deutschen Nationalmannschaft. Ein französisches Eigentor brachte Deutschland zunächst mit 1:0 in Führung. Noch vor der Pause gelang Frankreich der Ausgleich.
In der zweiten Halbzeit brachte Taime Kuttig die deutsche Mannschaft mit einem Tempodribbling und einem anschließenden Flachschuss erneut in Führung. Deutschland lag bis in die Schlussminute mit 2:1 vorne und stand unmittelbar vor dem Einzug in das EM-Finale.
Erst 61 Sekunden vor dem Ende erzielte Frankreichs Kapitän Babacar Niang den Ausgleich. Beim Stand von 2:2 musste das Sechsmeterschießen entscheiden. Rasmus Narjes, Jonathan Tönsing und Hasan Altunbas konnten ihre Versuche nicht verwandeln. Niang traf für Frankreich und beendete den deutschen Traum vom Finale.
Der Finaleinzug hätte für Deutschland nicht nur die erste EM-Medaille bedeutet. Da Frankreich als Gastgeber der Paralympischen Spiele 2024 bereits qualifiziert war, hätte der andere Finalteilnehmer zugleich das direkte Ticket für Paris erhalten.
Auch Bronze wird im Sechsmeterschießen vergeben
Im Spiel um Platz drei traf Deutschland erneut auf England. Nach der regulären Spielzeit stand es 0:0. Damit musste auch die Bronzemedaille im Sechsmeterschießen vergeben werden.
Während England einen Versuch verwandelte, konnte Deutschland keinen seiner drei Sechsmeter im Tor unterbringen. Die englische Mannschaft gewann das Entscheidungsschießen mit 1:0. Wie bereits bei der Europameisterschaft 2013 beendete Deutschland das Turnier damit auf dem vierten Platz.
Die deutschen EM-Spiele
- Deutschland – Rumänien 6:0
- Deutschland – Spanien 2:0
- Deutschland – England 0:1
- Deutschland – Polen 4:1
- Deutschland – Frankreich 2:3 nach Sechsmeterschießen, Halbfinale
- Deutschland – England 0:1 nach Sechsmeterschießen, Spiel um Platz drei
Sieben Turniertore von Jonathan Tönsing
Jonathan Tönsing war mit sieben Treffern der erfolgreichste deutsche Torschütze der Europameisterschaft. Er erzielte drei Tore gegen Rumänien, den Führungstreffer gegen Spanien und drei weitere Treffer gegen Polen. Taime Kuttig kam auf vier Turniertore, Rasmus Narjes auf einen Treffer. Zwei deutsche Tore wurden als Eigentore der gegnerischen Mannschaften gewertet.
Deutschland gehört zur europäischen Spitzengruppe
Auch wenn die erste EM-Medaille und die direkte Qualifikation für die Paralympischen Spiele denkbar knapp verpasst wurden, war der vierte Platz ein großer Erfolg. Deutschland hatte zum zweiten Mal ein EM-Halbfinale erreicht und sich nach der ersten Teilnahme 2014 erneut für eine Weltmeisterschaft qualifiziert.
Die Spiele in Pescara zeigten, dass die deutsche Mannschaft in der europäischen Spitzengruppe angekommen war. Bei der Weltmeisterschaft 2023 in Birmingham sollte das Team erstmals seit neun Jahren wieder auf die besten Blindenfußball-Nationen der Welt treffen.
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