Einstiger Schüler schlägt einstigen Lehrmeister

Die deutsche Siegermannschaft gegen England
Mannschaftsfoto nach dem 4:3 Sieg gegen England

Nach der knappen 0:1-Niederlage am Freitag waren Spieler und Trainerstab am Samstag heiß auf eine Revanche.
Das erste Spiel hatte die im Vergleich zu früheren Auftritten limitierteren Fähigkeiten Englands aufgezeigt und Deutschland war gewillt diese in der zweiten Partie eiskalt auszunutzen.

Gestartet war das deutsche Team mit einer zunächst rein Stuttgarter Aufstellung an Feldspielern.
Mulgheta Russom und Alexander Fangmann bildeten das Abwehrduo, während sich Lukas Smirek auf rechts und Vedat Sarikaya auf links um die Angriffsseiten kümmerten. Im Tor gab der Marburger Sebastian Schleich sein Debüt im Deutschlanddress.
Bereits nach wenigen Minuten kam Deutschland zu gefährlichen Torabschlüssen. Das Team hatte sich die Ansage des Cheftrainers zu Herzen genommen; „Wir laden die Engländer nicht mehr in unsere Hälfte ein, sondern greifen bereits unmittelbar nach Abwurf durch den gegnerischen Torwart an!“
Diese Pressing-Taktik ging auch schon nach kürzester Zeit für Deutschland auf. Smirek unterband mehrfach die Spielaufbaubemühungen der Engländer und setzte Torjäger Sarikaya in Szene. So gelang Deutschland nach wenigen Minuten der Führungstreffer. Nach weiteren Aktionen war es dann wieder Sarikaya, der auf 2:0 erhöhte.
Unmittelbar nach dem Wiederanpfiff war wohl die Freude noch zu präsent, als sich der Engländer Daniel English durch die deutschen Reihen spielte und mit einem Schuss unter die Latte den Anschlusstreffer erzielte. Wie es im englischen Twitter-Account zu lesen war, sei es in dieser Phase heiß hergegangen.
Einen Abpraller eines Engländers nutzte Vedat Sarikaya kurz vor der Halbzeit. Er sprinntete dem Leder über den ganzen Platz hinterher, erreichte die Kugel in der Mitte der englischen Hälfte, brachte sich in Schussposition und hämmerte den Ball zum 3:1 in die Maschen. Mit diesem Stand gingen die Teams in die Halbzeit.

Zur zweiten Hälfte wechselte Deutschland seinen Sturm aus. Kofi Osei und Ali Pektas sollten für Deutschland weiter auf das Gehäuse stürmen. Nach anfänglichen Problemen setzte sich Osei mehrfach durch, scheiterte aber an Keeper Lewis Skyers. Bereits nach wenigen Minuten verletzte sich Abwehrchef Russom im Gesicht, musste vom
Platz und wurde durch Deutschlands Nummer 3, Sven Schwarze, ersetzt. Fangmann rutschte auf die Abwehrchefposition und Schwarze sicherte das Mittelfeld.
In den folgenden 15 Minuten kam Deutschland zwar mehrfach vor das Englische
Tor, schaffte aber trotz guter Aktionen von Pektas und Osei keinen weiteren Treffer. Die Partie nahm an Härte zu, was beiderseits zu zahlreichen Fouls und zum Erreichen der Achtmetergrenze führte. Einen englischen Strafstoß, geschossen von Daniel English, konnte Torwart Schleich nicht mehr festhalten, wodurch England wieder mit der Verkürzung auf 2:3 ins Spiel zurück kam.
Nach einem Timeout und der Einwechslung von Russom erreichte auch England die Strafstoßgrenze, was Deutschland einen Achtmeter bescherte. Russom trat an, traf den Ball unglücklicherweise zwar nicht voll, aber erhöhte dennoch auf 2:4 und stellte somit den alten Torabstand wieder her. Fünf Minuten waren noch zu gehen. Fouls spickten weiterhin die Partie.
Nachdem Torwart Schleich den zweiten Achtmeterstrafstoß der Engländer hielt, zitterte Deutschland erneut, als England zwei Minuten vorm Abpfiff zum Dritten Mal in diesem Spiel vom Punkt antrat. Sebastian Schleich war machtlos, als wiederum Daniel English den Ball unhaltbar ins obere Eck hämmerte.
Nach Sarikaya auf der deutschen Seite hatte nun auch English seinen Hattrick geschnürt.

In den letzten zwei Minuten drängten die Engländer verständlicherweise auf den Ausgleich. Die Partie entwickelte sich zur Abwehrschlacht. Kurz vor Ende bekam England unberechtigterweise erneut einen Achtmeter zugesprochen, als Kapitän Fangmann stürzte und ein Engländer über ihn fiel. Deutschland zitterte, aber diesmal war der Marburger Torwart wieder da und wehrte den Ball sicher ab.

Mit dem Stand von 3:4 endete die Partie. Die Freude war groß, da Deutschland im achten Aufeinandertreffen mit England zum ersten Mal gewinnen konnte. Ein historischer Sieg, kamen die Engländer doch vor fast genau sieben Jahren im Mai 2006 nach Deutschland und präsentierten hierzulande den Blindenfußball. Der einstige Schüler schlägt seinen einstigen Lehrmeister.
Die deutsche Blindenfußball-Nationalmannschaft würde gerne ebenfalls dauerhaft von einer Wachablösung im europäischen Blindenfußball sprechen. Der Grundstein für eine erfolgreiche Europameisterschaft wurde mit diesem Sieg auf jeden Fall gelegt.

Das Team trifft sich vom 7. bis 9. Juni in Stuttgart zum abschließenden Leistungslehrgang, bevor es dann am 12. Juni auf nach Italien zur Europameisterschaft geht. Vielleicht kommt es dort ja zum nächsten Match zwischen England und Deutschland.

Abschließend noch einige Impressionen, wie es sich das Team nach dem Sieg in der Poolanlage des St. George’s Park Football Centre guten ließ. Mit der Unterwasserkamera unseres Keepers entstanden einige außergewöhnliche Fotos. Hier eine Kostprobe:

Mannschaftsfoto unter Wasser
Ein ausgefallenes Mannschaftsfoto mit der Erkenntnis: Auch Unterwasser machen die deutschen Blindenfußballer eine gute Figur

 

 

 

 

 

Das deutsche Team lässt es sich im Whirlpool gut gehen
Schwer erkämpft, aber verdient: Partystimmung und Entspannung im Whirlpool

3 Gedanken zu „Einstiger Schüler schlägt einstigen Lehrmeister“

Kommentare sind geschlossen.